Werner Weimar-Mazur

heimwehe. gesänge.

Dortmund (Edition Offenes Feld, Hrsg. Jürgen Brôcan). 2022. ISBN 9783755753520

"... es sind offene Gebilde, die besten haben eine weitschwingende Musikalität ... "
(Christoph Meckel)

"Mehr und mehr geriet ich in den Sog dieser, ich möchte sie gerne „Tunwortgesänge" nennen. In denen so viel geschieht, passiert, die Welt so schön verrückt wird. Es ist wirklich ein ganz eigenartiger und einzigartiger Ton."
(Tim Trzaskalik)

"... das ist feingehauene poesie … ein würdiger gesang in klaren versen ... zwischen granatglimmerschiefer, Schwarzem Meer, Teheran, Kabul und Isenheimer Altar ... ein menschenumarmender plural … da gräbt jemand mit seinen bildern und deren erzählungen auch nach meinem atem … verse, als könnten sie sich, weil sie sich kennen, an schmetterlingen verletzen ...“
(José F. A. Oliver).

NEU: heimwehe. gesänge

heimwehe. gesänge.

Dortmund (Edition Offenes Feld, Hrsg. Jürgen Brôcan). 2022. ISBN 9783755753520

Dichtung und Melancholie sind oft nicht zu trennen, wie heimwehe aufs Schönste beweist, der vierte Gedichtband von Werner Weimar-Mazur. Allerdings kann man »den schmerz mitlesen, auf dass er ver-/wehe; das weh eins w:erde mit der sehnsucht«, wie José F. A. Oliver in seinem Buchgruß konstatiert. Die »gesänge«, so der Untertitel, bewegen sich dabei »zwischen granatglimmerschiefer, Schwarzem Meer, Teheran, Kabul und Isenheimer Altar«. Christoph Meckel, der erste Leser des Typoskripts, nannte diese Gedichte nicht zu Unrecht offene Gebilde mit einer weitschwingenden Musikalität. Und für Tim Trzaskalik sind sie »Tunwortgesänge«, weil in ihnen »so viel geschieht, die Welt so schön verrückt wird«.

 

Werner Weimar-Mazur

Schriftsteller

Naziwam się Weimar-Mazur Werner, jestem geologiem, mieszkam we Waldkirch, mam 66 lat, jestem żonaty, nie mam dzieci ... Proszę, trzy znaczki na widokówki do niemiec ... Ich hätte nicht aufhören sollen, Polnisch zu lernen und Wodka zu trinken.

Teilnehmer der ersten Lesung des Lyrikpreises München 2013
Preisträger des Athmer-Lyrikpreises 2013

Preisträger des Hildesheimer Lyrik-Wettbewerbs 2012

 

"Sie sollten Ihre Verse näher an sich heranlassen und nicht von Hobby sprechen."
(Christoph Meckel, Freiburg, den 18.01.2011)

Es ist ein gutes Gefühl, zusammen mit einer Literaturnobelpreisträgerin in einer Anthologie vertreten zu sein.
(Dezember 2014)

hautstille | im gegenlicht

HAB DEN DER DIE DAS, Erika Kronabitter (Hrsg.)

Der Königin der Poesie, Friederike Mayröcker zum 90. Geburtstag, Edition Art Science, St. Wolfgang, 2014 (ISBN 978-3902864-41-3)

für Friederike Mayröcker 2014

regenschirme treiben vorbei das leben
zahlt sich aus tage wabern
im sommerlicht wie algenteppiche
oder wasserlinsen im mäander
auf einem berg stand ich
am parnass sagen wir
besser an einem abhang
und stürzte in ein thrakisches meer

am himmel sah ich kraniche oder silberreiher
helle vögel jedenfalls
vogelmenschen

stumm
beobachteten wir einander
du einsam in einer zwischenwelt
ich in einem zwischenmeer

pan spielte abseits
auf einer knochenflöte
die gesänge von hühnern und gänsen

singschwäne zogen heran
schlafmohnlieder im gefieder
und in den schnäbeln eine goldene kette

alabaster
zylindrische farben* sagst du
und ein hotelzimmer in wien

 

* aus Friederike Mayröcker: drei Traumwahrheiten oder: kein Wort mehr über Träume (Gedicht, in Friederike Mayröcker: Winterglück, Suhrkamp 1986)

lethe | mnemosyne

das dritte ist das zimmer meiner kindheit
stimmen wohnen darin
bleibt verschlüsselt die tür
wird das schloss zum zauberschloss
simsala und bim
steht mutter in der küche und kocht essen vor
für den nächsten tag

meine lieblingsfarbe ist das schweigen
wenn die nacht wieder ein raubtier war
und mich der morgen begrüßt ohne lüge
fädelst du worte auf eine kette
die du dem großen bären um den hals legst
hinter der tür putzt vater die schuhe
sieben meilen vor dem grab

im zweiten zimmer wohnt der sommer
nachts liest er bücher über den tag
spricht viel
vom schweigen
und wen er sah im ersten zimmer
schnee weiße tücher
auf allen möbeln

der stuhl und die tischplatte
tragen noch deine kratzer
aus dem gleichen holz ist mutters sarg
kirschbaum oder eberesche
ich konnte das nie unterscheiden
vater hat sie mit eigenen händen gesetzt
welchen tag haben wir heute

 

lavendelatem

lavendelatem
über die fluh bricht bläue
in diesen rauhwackensommer
kalkklüftig war das jahr
und ohne geschichten aus dem mandelland
und ohne das meer
das dir salz ins gesicht wirft
lass flattern dein weißes kleid wie ein segel
leg ab das schwarz
die witwentage sind vorbei
häng dein haar in die gischt wie ein netz
die fische können heut fliegen

(auch in " hautsterben", 2012)

 

o t

Monika Kafka

1960 - 2014

für Monika Kafka, 1960 - 2014

still steht ein kranich
in der luft über hermannstadt
zieht ein bussard nach süden
ins land hinter dem schwarzmeer
sieben himmel legen sich auf die karpaten
nur einer hat das gewicht eines schmetterlings
ein aurorafalter
fädelt grünes licht* in den morgennebel
stein um stein aus den geröllfeldern
auf deiner brust
atmest du stimmen
die durch flüsse rollen
und die zeit

 

* Monika Kafka: im grüngefädelten licht, lyrik & prosa, 2009

Mein Dank an Ulla Klomp, Waldkirch und Bellwald/CH

2022 Werner Weimar-Mazur